Versicherungsvergleiche oder „Warum es gut ist, dass wir ihre Versicherungsbedingungen vergleichen!“

18. Jul 2019Frank Brönjes
Versicherungsvergleiche oder „Warum es gut ist, dass wir ihre Versicherungsbedingungen vergleichen!“

In diesem Vergleich wurden die Leistungsquoten verglichen und das bedeutet, dass eigentlich festgestellt werden sollte, welche Versicherungsgesellschaften bereitwillig Leistungen erbringt und welche Versicherer eben nicht.

Die meisten Leser sehen sich bei solchen Versicherungsvergleichen als erstes einmal die Tabellen an und achten auf die Erstplatzierten, lesen vielleicht noch die eine oder andere Anmerkung und damit ist dann auch gut. Für den Verbraucher stehen die erstplatzierten Versicherungsgesellschaften für die Besten!

Da wir diese Vergleiche kennen, sind wir immer ein bisschen aufmerksamer und bei diesem Vergleich hatten wir uns dann über die Erstplatzierten gewundert und als erstes uns eine kleine Fußnote aufgefallen, aus der hervorging, dass die Verantwortlichen auffällig hohe – also gute Quoten – einfach mal abgewertet haben. Damit wurde dann aus einer sehr guten Quote auf einmal eine nur durchschnittliche Quote und die Versicherungsgesellschaften im Mittelfeld finden beim Verbraucher nur wenig Beachtung.

  • Was war aber Hintergrund für die sehr gute Quote einer der abgewerteten Versicherungsgesellschaften?


Dafür muss man und das ist als Verbraucher schwierig, den Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit kennen. Wenn ein Verbraucher die Versicherungsbedingungen liest, dann könnte er zum Ergebnis kommen, dass er, wenn er schwer krank wird auch die versicherte Berufsunfähigkeitsrente bekommt. So steht in den meisten Berufsunfähigkeitsversicherung folgender Text:

  • Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich auf Dauer oder mindestens 6 Monate ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, nicht mehr zu mindestens 50 % ausüben kann und auch keine andere Tätigkeit ausübt, die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.
  • Allerdings wird in vielen Versicherungsbedingungen immer nur von Berufsunfähigkeit gesprochen und das ist das irreführend. Die Berufsunfähigkeit ist in § 172 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geregelt. Das bedeutet, dass selbst eine schwere Krebs- oder psychische Erkrankung nach den o. g. Bedingungen nicht zu einer Zahlung führen muss. Man könnte zwar viel länger als 6 Monate krank sein (arbeitsunfähig) aber eben nur zu z. B. 49 % berufsunfähig und dann gibt es keine Leistungen.
  • Der Versicherer der mit der besten Leistungsquote hat aber im Gegensatz zu allen anderen Versicherern auf dem deutschen Markt die Arbeitsunfähigkeit seit ca. 1997 in seinen Versicherungsbedingungen aufgenommen und das bedeutet, dass dieser Versicherer schon seit Jahrzehnten die Berufsunfähigkeitsrente schon bei Arbeitsunfähigkeit auszahlt. Daher die gute Leistungsquote!


Dieser Versicherungsvergleich ist aber ja nicht der erste Vergleich, der unseres Erachtens verfälscht wurde. So haben wir schon im Juli 2003 die Stiftung Warentest – Finanztest – darauf aufmerksam gemacht, dass ihr damaliger Versicherungsvergleich im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherungen unfair war, weil eben genau dieser Tatbestand „Leistung schon bei Arbeitsunfähigkeit“ gar nicht berücksichtigt wurde. Hier ein Auszug aus der Antwort der Stiftung Warentest vom 07.08.2003:

Bereits bei einer sechsmonatigen Arbeitsunfähigkeit Leistungen zu erhalten, ist für den einzelnen Versicherten sicherlich ein Vorteil, wie sich das Verfahren auf die Versichertengemeinschaft (Anm.: die Versicherungsgesellschaft) auswirkt, bleibt abzuwarten. (Anm.: deshalb wurde das nicht bewertet!!)

Wie Sie an den guten Leistungsquoten erkennen, hat sich das für die Versicherten bewährt und sie haben ihre Berufsunfähigkeitsrenten auch schon bei Krankheit erhalten und mussten nicht erst beweisen, dass sie berufsunfähig sind. Auch wir haben diesen Versicherer immer empfohlen und bei uns gab es noch keinen Leistungsantrag der abgelehnt wurde.

Bezeichnend an diesem Vergleich ist, dass die Konzernmutter (mit Berufsunfähigkeitsversicherungsbedingungen ohne den Einschluss von Arbeitsunfähigkeit) mit einer Leistungsquote von 84,4 % auf den 4. Platz gekommen ist und die Konzerntochter (Berufsunfähigkeitsversicherungsbedingungen mit Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit) und einer Leistungsquote von 93,1 % auf einen der letzten Plätze gekommen ist.

Fazit:

Wir glauben, dass viele Vergleiche im Internet oder den vielen anderen Medien häufig manipuliert wurden und manchmal auch von den großen Anbietern nicht wirklich ernsthaft geprüft wurden. Wichtig ist, dass man die Bedingungen liest und auch lesen kann und das ist häufig nicht einfach. Wir machen das für unsere Kunden und verfügen auch über die entsprechende Ausbildung.

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